Monthly Archive for May, 2008

Schutz vor Phishing

Beinahe täglich werde ich gefragt, wie man sich vor Phishing Angriffen schützen kann. In Zeiten von wsnpoem und diverser andere Malware, welche für Phishing Zwecke verwendet wird, gewinnt diese Frage zunehmend an Bedeutung. Längst nicht nur Bank-Daten sind Ziel der Phishing Angriffe, sondern vermehrt auch Google AdWords oder eBay. Aus diesem Grund habe ich hier ein ein paar Infos zusammengefasst, wie mach sich vor Phishing Attacken schützen kann.

Arten von Phishing

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Phishing:

  • Phishing per E-Mail
  • Phishing mittels Malware
  • Phishing per E-Mail

    Die bekannteste Art von Phishing ist wohl das Phishen per E-Mail. Hierbei sendet der Angreifer eine E-Mail an das Opfer. Die E-Mail versucht dem User vorzugaukeln, dass diese von seiner Bank stamme und versucht ihn auf eine Web-Adresse zu locken um dort die Bank-Daten einzugeben und zu bestätigen. Gibt das Opfer dort die Bank-Daten ein, fliessen diese nicht etwa zu seiner Bank sondern zu einem Server des Angreifers.

    Wie man sich schützen kann:

  • Installation von McAfee SiteAdvisor. Dieser warnt den User vor Phishing und anderen Bedrohungen, wenn er eine solche Webseite besucht. (download)
  • Installation von Google Safe Browsing für Firefox. Dieses Plug-In informiert den User, wenn er eine Phishing Webseite besucht. (download)
  • Geben Sie niemals Ihre Bankdaten im Internet bekannt, auch wenn Sie dazu aufgefordert werden.
  • Überprüfen Sie die Web-Adresse Ihrer Bank bei jedem Besuch.
  • Geben Sie die Web-Adresse Ihrer Bank jeweils von Hand in den Browser ein.
  • Vermeiden Sie das Klicken auf vermeidliche Banken-Links in E-Mails.
  • Ihre Bank würde Sie niemals auffordern, irgendwelche Bank-Daten wie Login, PIN, TAN o.ä. im Internet zu bestätigen.
  • Falls Sie sich nicht sicher sind, ob es sich bei einem Mail um Phishing handelt, fragen Sie bei der Bank telefonisch nach.
  • Phishing mittels Malware

    Diese Art von Phishing ist derzeit noch nicht so bekannt, wird jedoch häufig verwendet. Dabei wird auf dem Computer des Opfers Malware wie z.B. einen Trojaner, Virus, Keylogger, Rootkit oder Spyware installiert, um beim Login auf einer Bank-Webseite die Bank-Daten abzufangen. Das Gefährliche: Der Benutzer merkt von der Abhör-Aktion kaum was geschweige denn von der Malware, welche sich auf seinem System tummelt. Wer denk, dass das “Nicht Öffnen” von E-Mail Attachments schon der ganze Schutz sei, täuscht sich. Oft wird solche Software über sogenannte Browser Exploits (Schwachstellen in Web-Browsern wie z.B. im Internet Explorer) unbemerkt ins System eingeschleust. Besonders prekär: Die Trojaner können auch über scheinbar sichere Websites eingeschleust werden (link)

    Wie man sich schützen kann:

  • Verwenden Sie einen Alternativ-Browser wie z.B. Firefox oder Opera
  • Installieren Sie eine Personal Desktop Firewall
  • Installieren Sie einen Anti-Virus auf Ihrem Computer
  • Vergewissern Sie sich, dass Ihr Virenschutz stets auf dem neusten Stand ist.
  • Führen Sie regelmässig Windows-Updates und Office-Updates durch (Automatische Update aktivieren).
  • Führen Sie regelmässig Anti-Rootkit Software aus wie z.B. Trend Micro Rootkit Buster, McAfee Rootkit Detective, Sohpos Anti-Rootkit oder andere.
  • Überprüfen Sie die Web-Adresse Ihrer Bank bei jedem Besuch.
  • Geben Sie die Web-Adresse Ihrer Bank jeweils von Hand in den Browser ein.
  • Übrigens: Der Grossteil der AntiRootkit Software spürt auch unseren geliebten Freund wsnpoem auf.

    Fazit

    Online Banking ist niemals 100%. Daher sollten die Bankauszüge jeweils genau geprüft werden und ggf. schnellst möglichst Einsprache erhoben werden. Will man auf Nummer sicher gehen, sollte man sich für das Online Banking einen seperaten Computer zulegen, welcher ausschliesslich für das Online Banking benützt wird.
    Die Schweizer Banken tendieren dazu, Schaden welcher durch Phishing entstanden ist, dem Kunden gut zu schreiben. Trotz der Kulanz der Banken sollte man mit seinen Bank-Daten vorsichtig umgehen und bei verdächtigen Mails an den persönlichen Menschenverstand appellieren.

    Weiterführende Links:

    MELANI: Sicheres e-Banking
    Anti Phishing Workgroup: Report Phishing
    CastleCops PIRT: Report Phishing
    Trend Micro Rootkit Buster: download
    McAfee Rootkit Detective: download
    McAfee SiteAdvisor: download
    Sophos Anti-Rootkit: download
    Antirootkit.com: Rootkit Detection & Removal Software
    Google Safe Browsing: download
    Spybot S&D: download
    Ad-Aware 2008: download
    abuse.ch: “Money-Mule wird immer raffinierter”

    EULA & Anleitung von wsnpoem

    Im Internet kursiert seit ende April die EULA (end-user license agreement) sowie die Anleitung von wsnpoem. Die Software hinter wsnpoem nennt sich “ZeuS”. Die EULA wurde samt Anleitung in russisch von Symantec (link) gesichtet:

    Leider ist das Help-File, welches die Anleitung sowie die EULA beinhalten, in russisch nicht für jedermann verständlich. Dank der Unterstützung eines Sprachkundigen ist es mir jedoch mit seiner Erlaubnis möglich, euch sinngemässe deutsche Auszüge aus dem Text vorzustellen. Das Help-File lässt vermuten, dass die Software von Dritt-Personen programmiert worden ist und zur Verwendung weiterverkauft oder vermietet wird.

    Die Software wird von dessen Autoren wie folgt beschrieben:

    [...] ZeuS – im Folgenden ‘Bot’ genannt – ist eine Spyware für 32bit MS Windows 2000/XP. Sie dient zur Kontrolle von Rechnern von Opfern und zum Kopieren von auf diesen Rechnern liegenden Informationen mittels Logfiles.

    ZeuS besteht aus drei Teilen:

      1. Ein auf dem/den Server/n installiertes Controlpanel
      2. Ein Builder, d.h. eine Windows Applikation zwecks Bot-Konfiguration
      3. Und dem eigentlichen Bot, d.h. der auf dem Rechner des Opfers ausgeführte Windows-Anwendung.

    Der Bot
    Interessant sind die Funktionen des Bots, welche jedoch grösstenteils bereits bekannt sind:

    [...]

      1. Programmiert in VC++ 8.0, und zwar nur unter Benutzung der WinAPI, insbesondere ohne RTTI und der gleichen. Dadurch wird ein kompaktes Programm erreicht (ca. 10-25KB, je nach Zusammenstellung).
      2. Es wird kein eigener Prozess gestartet. Dadurch kann der Bot in der Prozessliste nicht gefunden werden.
      3. Die Mehrzahl der Firewalls wird umgangen, einschliesslich der populären Outpost Firewall in den Versionen 3 und 4; Es besteht aber momentan ein kleines Problem betreffend Anti-Spyware-Programmen. Die ungehinderte Entgegennahme eingehender Verbindungen ist ausserdem nicht garantiert.
      4. Der Bot installiert sich beim Opfer unter Benutzung von Zeitstempeln anderer Systemdateien und mit zufälliger Dateigrösse; dadurch ist er schwer aufzuspüren.
      5. Der Bot funktioniert auch mit eingeschränkten Windows-Benutzerrechten; der Einsatz unter Gast-Benutzerkonten wird derzeit jedoch nicht unterstützt.
      6. Der eigentliche Programmcode des Bot ist chiffriert und damit für Antiviren-Algorithmen unsichtbar.
      7. Auf Wunsch werden jegliche Spuren der Anwesenheit des Bots unterdrückt; insbesondere auf das Auslagern von Firewalls und Antivirensoftware, auf die Unterdrückung deren Updates, auf das Blockieren von Ctrl-Alt-Del, und auf andere bei Spyware-Autoren beliebte Erkennungsmuster wird verzichtet.
      8. Blockierung der Windows-eigenen Firewall; diese Funktion ist nur zur problemlosen Entgegennahme eingehender Verbindungen erforderlich.
      9. Der Bot speichert/empfängt und sendet alle seine Einstellungen, Logs und Anweisungen in verschlüsselter Form und unter Nutzung des HTTP/HTTPS Protokolls; das bedeutet, dass nur Sie die Daten als Klartext sehen können; die Bot <-> Server Kommunikation wird ansonsten wie Müll aussehen.
      10. NAT-Detektion durch Prüfung der eigenen IP mit Hilfe einer von Ihnen definierten Webseite.
      11. Eine dedizierte Konfigurationsdatei schützt vor dem Verlust des Botnetzes, falls der Hauptserver ausfallen sollte. Darüber hinaus können zusätzliche Konfigurationsdateien als Reserve angegeben werden, auf die der Bot zugreift, falls die Hauptdatei ausfällt. Dieses Verfahren garantiert in 90% aller Fälle das Überleben Ihres Botnets.

    [...]

    Insgesamt sind hier 24 Punkte aufgeführt. Nicht erwähnt habe ich bereits bekannte Funktionen wie z.B. das Mitschneiden von HTTP POST und GET Anfrage, socks4 + HTTP Proxy Funktion, Abfangen von POP3 und FTP Logins/Passwörter sowie das Ändern des lokalen DNS.

    Auch die von vielen Banken so hoch gelobte “Virtuelle Tastatur” kann von dem Trojaner mit geschnitten werden:

    [...]

      12.8. IDEALE LÖSUNG FÜR VIRTUELLE TASTATUREN: Nachdem Selektion der konfigurierten URL wird ein Screenshot desjenigen Bereich des Bildschirms vorgenommen, innerhalb dessen die linke Maustaste gedrückt wurde.

    [...]

    Punkt 19. gefällt mir besonders:

    [...]
      19. Seit dem Booten des Rechners besuchte Seiten werden aufgezeichnet. Dies ist bei vorhandener Sploit Installation nützlich: wenn Sie den Download über einen zweifelhaften Service erwerben, so erfahren Sie so, was parallel sonst noch geladen wird.

    [...]

    Komisch, denn mit Sploits wird NUR auf zweifelhaften Webseiten gehandelt. Die Autoren von ZeuS trauen also den Leuten aus dem selben Business nicht.

    Das Steuerungspanel

    Dieser Absatz umfasst insgesamt 11 Punkte. Es wird mit einer “Einfachen Installation” geworben. Des Weiteren werden hier die Voraussetzungen wie “PHP und MySQL” beschrieben:

    [...]

      4. Statistik über die erfolgten Infizierungen.
      5. Statistik über die momentan Online geschalteten Bots.
      6. Aufteilung des Botnets in Sub-Botnets.
      7. Übersicht über die Online geschalteten Bots, auch mit Filtermöglichkeit
      8. Speichern von Logs in einer Datenbank. Dies hat folgende Vorteile:
      [...]
      10. Kommandos können an die Bots abgesetzt werden, auch mit Filtermöglichkeit.

    [...]

    EULA / Vereinbarung

    Amüsant ist der Abschnitt “Vereinbarung” (EULA):

    [...]
    Der Verkäufer:

      1. Bietet qualifizierten technischer Support via Internet.
      2. Haftet nicht für:
      Datenverlust
      Schliessung oder Abschaltung von Servern
      Datenkommunikations-Kosten
      3. Verpflichtet sich, in ZeuS gefundene Bugs zu beheben und kurzfristig Gratis-Patches zur Verfügung zu stellen.
      4. Verpflichtet sich, Vorschläge/Meinungen und Rückmeldungen über ZeuS entgegenzunehmen und in angemessener Weise darauf einzugehen.

    Der Kunde:

      1. Ist nicht berechtigt, ZeuS für kommerzielle oder nicht-kommerzielleZwecke zu verbreiten, die den Interessen des Verkäufers zuwiderlaufen.
      2. Ist nicht berechtigt, den Binärcode des Bots oder des Builders zu disassemblieren und/oder zu analysieren.
      3. Ist nicht berechtigt, das Controlpanel zur Verwaltung anderer Botnets oder zu anderen Zwecken zu verwenden, die nicht mit ZeuS in Zusammenhang stehen.
      4. Ist nicht berechtigt, absichtlich Teile von ZeuS an Antiviren-Software-Anbieter oder andere, ähnliche Einrichtungen zu senden.
      5. Verpflichtet sich, den Verkäufer für Updates von ZeuS zu bezahlen, die nicht im Rahmen von Bug-Behebungen erfolgen. Dasselbe gilt ebenso für Ergänzung um zusätzliche Funktionalitäten.

    Wird gegen diese Vereinbarung verstossen und dieser Verstoss entdeckt, so verlieren Sie jegliche technischen Unterstützung. Darüber hinaus wird der Bot in Ihrer Zusammenstellung unverzüglich
    Antiviren-Software-Anbietern zugeschickt. [...]

    Die restlichen Seiten beinhalten eine Versions-History (derzeit 1.0.2.0) und eine Anleitung für die Anpassung und Installation des Bots sowie dessen Befehle. Auch der Aufbau des Konfigurationsfiles, der TAN-Grabber und das Umlenken der Banken-URLs wird ausführlich beschrieben.

    Fazit

    Der Server, welcher das Konfigurationsfile hortet, sowie die Software “ZeuS” wird inkl. Know-How gemietet oder eingekauft. Die Kriminellen, welche an die Bank-Daten der Opfer gelangen möchten, besitzen somit höchstwahrscheinlich ein nicht so grosses Know-How im Bereich der Informatik als bisher angenommen. Das Tool macht es möglich, aus einem Leihen einen “professionellen” Internet Kriminellen zu machen.




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